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Die Römervilla

Die Villa von Blankenheim zählt zu den bedeutendsten Bodendenkmälern des Rheinlands aus römischer Zeit. Sie war einst ein großer Gutshof (villa rustica) mit einem luxuriös ausgestatteten Hauptgebäude sowie Stallungen, Scheunen, Remisen und Gesindeunterkünften, die sich um einen geräumigen Wirtschaftshof gruppierten. Erste archäologische Untersuchungen fanden bereits 1894 statt. Man beschloss, die außergewöhnlich gut erhaltenen Mauern des Hauptgebäudes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das antike Mauerwerk verwitterte und verfiel jedoch sehr bald. Die Ausgrabungen des Jahres 1914 galten den älteren Bauphasen. Die Ende des 19. Jahrhunderts freigelegten Gebäudemauern sind teilweise heute noch im Boden vorhanden. Der Wirtschaftshof und die Nebengebäude wurden bis 1931 in mehreren Grabungskampagnen archäologisch untersucht. Der Gutshof wies mit einer Fläche von rund 250 x 120 Metern die beachtliche Größe von drei Hektar auf. Er wurde Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet und bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts durchgehend bewirtschaftet. Das talseitig von einem breiten Säulengang (porticus) bestimmte Hauptgebäude, das Wohnhaus des Eigentümers oder Pächters, machte selbst aus der Ferne einen monumentalen Eindruck. Die insgesamt sechs Nebengebäude am Rande des Wirtschaftshofes davor waren axialsymmetrisch angeordnet. Es spricht einiges dafür, dass der offensichtliche Wohlstandes Villenbesitzers auch auf Einkünften aus Nebenerwerben, wie dem Betrieb von Steinbrüchen und Abbau von Erzlagerstätte in der unmittelbaren Nähe, basierte. Die Römervilla von Blankenheim ist das einzige bisher bekannte Beispiel einer repräsentativen Axialvilla im Rheinland.

Hauptgebäude

Für das Hauptgebäude der Villa sind drei Bauperioden nachgewiesen: Ende des 1. Jahrhunderts entstand ein knapp 50 Meter langer und 17 Meter breiter sogenannter Risalitbau, an dessen Front jeweils an beiden Ecken quadratische Baukörper, die Risalite, vorsprangen. Dazwischen verlief ein Säulengang. Dieses Gebäude brannte um die Mitte des 2. Jahrhunderts ab und wurde durch einen Neubau ersetzt. Der Grundriss dieses Neubaus ist heute im Gelände durch Stahlbänder dargestellt, Mauerzüge und ehemalige Fußböden sind durch unterschiedliche Schotterung voneinander abgesetzt. Das Gebäude war mit seiner 55 Meter langen Fassade etwas größer als sein Vorgänger und wies an der Vorderfront einen durchlaufenden Säulengang (porticus) auf. Die heute hier errichtete moderne Stahlkonstruktion formt den Säulengang in seinen beeindruckenden Ausmaßen nach. In der Gebäudemitte befand sich ein großer Saal, der die beachtliche Größe von 140 Quadratmetern hatte und vom Säulengang aus betreten werden konnte. Das vom Besitzer oder Pächter der Hofanlage bewohnte Hauptgebäude war luxuriös ausgestattet: Mehrere Räume waren mit einer Fußbodenheizung (hypocaustum) versehen, die Wände waren farbig verputzt und die Fenster verglast. Im Norden befand sich ein ansehnlicher Badetrakt. Im 3.¬Jahrhundert fand ein größerer Umbau des Hauptgebäudes statt. Anscheinend aufgrund weiteren Wohnbedarfs erfolgten im Süden und Westen der Anbau mehrerer Räume und die Aufteilung des großen Mittelsaals. Dieses imposante Gebäude maß knapp 70 x 22 Meter. Der allmähliche Verfall des Gebäudes begann im 4.¬Jahrhundert. Die Heizungsanlagen wurden aufgegeben, einzelne Anbauten abgerissen, Tür- und Fensteröffnungen stellenweise zugemauert. Vermutlich wurde der Bau zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als Wohnhaus genutzt. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde der Blankenheimer Gutshof nicht mehr bewirtschaftet.

Verwalterhaus

Das ca. 27 x 20 Meter große Gebäude unmittelbar neben dem Haupthaus wurde mehrfach um- und ausgebaut. Ursprünglich gab es darin einen Raum mit Herd und Schmelzofen für Eisenerze, der später zu Wohnzwecken erweitert und umgestaltet wurde. Es entstand ein sogenannter Risalitbau mit vorgezogenen rechteckigen Baukörpern an beiden Enden der Fassade und einem zwischen diesen beiden Risaliten verlaufenden Säulengang. Dieses Nebengebäude mag mit seinem Grundriss und seiner Fassadengestaltung wie eine kleinere Version des Haupthauses in seiner ersten Bauphase gewirkt haben. Vergleiche mit zahlreichen - besonders aus Frankreich - bekannten Axialvillen legen nahe, dass es sich um das Wohnhaus des Gutsverwalters handelte. Auf eine luxuriöse Wohnausstattung musste der Verwalter nicht ganz verzichten: Immerhin waren mehrere Räume des Hauses mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die Besitzer der größeren Gutshöfe waren häufig wohlhabende Stadtbewohner, die so oft wie möglich ihre Güter besuchten, um das Landleben zu genießen und die laufenden Arbeiten zu kontrollieren. In anderen Fällen war ein Pächter eingesetzt, der mit seiner Familie das Haupthaus bewohnte. Mit der eigentlichen Organisation des landwirtschaftlichen Betriebs war der Verwalter beauftragt.

Heiligtum

Wenige Meter neben dem Wohngebäude des Besitzers oder Pächters der Villa wurde bei den Ausgrabungen ein Grundriss freigelegt, bei dem es sich eindeutig um ein Heiligtum handelt. Ein rechteckiges, zentrales Gebäude mit nur einem Raum (cella), das vermutlich turmartig erhöht war, wurde von einer Umfassungsmauer umschlossen, möglicherweise verlief hier eine nach allen Seiten offene Galerie. Mit nur wenigen Schritten konnte der Gutsbesitzer vom Hauptgebäude den kleinen Tempel erreichen. Hinweise auf Götterverehrung finden sich bei Ausgrabungen römischer Gutshöfe immer wieder. Häufig ist die Verehrung der höchsten römischen Gottheit durch Funde sogenannter Jupitersäulen belegt. Private Tempel sind dagegen seltener nachgewiesen. Welcher Gottheit das Blankenheimer Heiligtum geweiht war, ist nicht bekannt. Hinweise – wie etwa eine Weihinschrift – auf bestimmte Götter wurden nicht gefunden. Anderswo verehrten die römischen Bürger neben Jupiter nachweislich auch Juno, Venus, Apollo oder Sirona. Errichtet auf der höchsten Stelle des Villengeländes repräsentierte das Heiligtum weithin sichtbar nicht nur die Religiosität, sondern auch den Wohlstand des Stifters.

Stallungen

Das über 400 Quadratmeter große Wirtschaftsgebäude im Norden des Blankenheimer Gutshofes ist nie systematisch ausgegraben worden. Möglicherweise befanden sich hier die Stallungen, wie sie zu jeder villa rustica gehörten und die in der Regel - aufgrund der Geruchs- und Lärmbelästigung - möglichst weit entfernt vom Wohnhaus des Besitzers oder Pächters platziert waren. Gerade auf den eher schlechten Böden der Nordeifel wurde in römischer Zeit Viehzucht betrieben. Dafür musste der Gutshof über geräumige Stallungen verfügen. Neben Rindern, Schweinen und Schafen wurden gelegentlich auch Ziegen gehalten. Die Tiere lieferten Frischfleisch und deckten auch den Bedarf der Bewohner an Milch. Überschüsse, die nicht auf dem Hof selbst konsumiert wurden, gelangten in den nächstgelegenen Marktorten in den Handel. Für die Viehhaltung bedurfte es ausgedehnter Weideflächen und geräumiger Scheunen für die Lagerung von Heu in den Wintermonaten. Mit dem Dung aus den Stallungen wurden die Felder und die Obst- und Gemüsegärten gedüngt. Ochsen auf einem Relief im Rotenbachtal (Schwäbisch Gmünd). Auch die Transport-, Zug- und Lasttiere wie Ochsen, Pferde, Esel und Maultiere waren in den Stallungen untergebracht. Sie zogen Karren, Last- und Reisewagen, aber auch Pflüge, Eggen und Mähmaschinen. Untergestellt waren die Ackergeräte und Fuhrwerke in der Regel in Remisen. In Blankenheim befand sich eine solche Remise vermutlich dem Stall gegenüber an der Südostecke des Wirtschaftshofes.

Gesindehaus

Das mittlere Gebäude der nördlichen Häuserflucht wurde bei den Ausgrabungen in den 1930er Jahren in einem schlechten Erhaltungszustand vorgefunden, wodurch sich die recht komplizierte Baugeschichte mit mehreren Umbauten nicht lückenlos nachvollziehen lässt. In der Römerzeit wies das Gebäude zunächst einen größeren Raum mit verschiedenen Feuerstellen auf, der später in mehrere Räume unterteilt wurde. Scheinbar war das Gebäude auch mit einem einfachen Bad und umlaufenden Lauben ausgestattet, was eine Nutzung als Wohngebäude nahelegt. Vermutlich war hier das Gesinde untergebracht. Zur Bewirtschaftung seines Hofes benötigte der Gutsbesitzer oder Pächter Arbeitskräfte, die sich um die Landwirtschaft, den Obst- und Gemüsegarten und das Vieh kümmerten; ihnen stellte er eine Unterkunft innerhalb der Hofanlage zur Verfügung. In den besonders arbeitsintensiven Phasen, z. B. bei der Feldbestellung, Aussaat oder Ernte, wurden in der Regel Tagelöhner angeworben. Sklaven setzte man in den landwirtschaftlichen Betrieben der germanischen Provinzen kaum ein. Es gibt Hinweise darauf, dass Teile des Gebäudes phasenweise als Schmiede genutzt wurden. Die römischen Gutshöfe waren meist ganzheitliche Wirtschaftssysteme und autarke Betriebe. Metallschmelzen und Schmieden dienten der Selbstversorgung mit Werkzeugen und der Instandhaltung von Gerätschaften und Fuhrwerken.

Wirtschaftshof

Die repräsentativen römischen Gutshöfe waren gewöhnlich in einen Wohn- und einen Wirtschaftstrakt (pars urbana und pars rustica) unterteilt. In Hanglage befand sich das Hauptgebäude, das Wohnhaus des Besitzers oder Pächters, zumeist im oberen Hangbereich. Von dort hatte man in der Regel nicht nur eine schöne Aussicht, sondern auch eine gute Übersicht. Auf dem Wirtschaftshof standen Nebengebäude wie Ställe, Scheunen, Remisen, Werkstätten (z. B. eine Schmiede) und Gesindeunterkünfte, manchmal auch Darren und Keltern. Auf diese Weise war alles, was mit Lärm, Geruchsbelästigung oder auch Brandgefahr verbunden war, möglichst weit vom Wohnhaus entfernt. In Blankenheim sind bislang insgesamt sechs axialsymmetrisch einander zugeordnete Nebengebäude archäologisch nachgewiesen. Auf der östlichen Seite des Wirtschaftshofes lagen unmittelbar neben dem Wohnhaus ein Heiligtum und weiter hangabwärts möglicherweise eine Scheune und eine Remise. Auf der gegenüberliegenden westlichen Hofseite dürften sich das Haus des Gutsverwalters, dann ein Gesindehaus und ein Stallgebäude befunden haben. Der Wirtschaftshof, der auch heute noch ein beträchtliches Gefälle aufweist, war ehemals von einer niedrigen Bruchsteinmauer umgeben und allem Anschein nach terrassiert. Die Gebäude standen wohl auf Erdpodien. Die Zufahrt erfolgte vom Tal her. Die Bodenplatten, die heute im Weg durch den Wirtschaftshof verlegt sind, stellen Gerätschaften der römischen Landwirtschaft dar.

Scheune

Die Mauern des zwischen Heiligtum und Remise gelegenen Wirtschaftsgebäudes wurden 1930 bei den Ausgrabungen durch Franz Oelmann freigelegt. Der etwa 20 x 10 Meter große Bau war in drei Räume unterteilt. Wegen der Steinpackungen mit aufliegender Tenne im Inneren interpretierte der Ausgräber den Befund als Scheune. Die Außenmauern des Gebäudes sind noch heute bis zu einem Meter tief im Boden erhalten. Auch außerhalb des Gebäudes konnten bei jüngst durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland durchgeführten Nachgrabungen Steinpackungen nachgewiesen werden, die darauf schließen lassen, dass auch die Fläche vor der Scheune mit einer Pflasterung versehen war. Vermutlich diente diese Stelle als Dreschplatz. Die meisten römischen Gutshöfe im Rheinland bauten Getreide an, hauptsächlich Weizenarten wie Dinkel, Einkorn oder Emmer. Aber auch andere Getreidearten wie Gerste, Roggen, Hafer und verschiedene Hirsen konnten bei Ausgrabungen nachgewiesen werden. Die von den Römern bevorzugten Sorten Dinkel und Nacktweizen waren von der vorrömischen Bevölkerung nicht angebaut worden und mussten zunächst importiert werden. Das geerntete Getreide wurde gedroschen und – nachdem die Körner durch Worfeln oder Darren von der Spreu und den Spelzen getrennt worden waren – entweder eingelagert oder direkt zu Mehl verarbeitet. Auch das in den Wintermonaten für die Viehversorgung benötigte Heu konnte in der Scheune eingelagert werden.

Remise

Für das ca. 350 m² große Wirtschaftsgebäude am Ostende der Hofanlage ist eine Interpretation als Remise naheliegend. Ebenso wie bei dem gegenüberliegenden Gebäude fand hier niemals eine flächige Ausgrabung statt. Die Grabungsdokumentation aus den ersten Jahren des 20. -Jahrhunderts belegt lediglich, dass dieser Bereich des Wirtschaftshofes durch den Ausgräber Constantin Koenen grob sondiert wurde. Immerhin konnte auf diese Weise die Größe des Baus erfasst werden, der anscheinend in zwei annähernd gleich große quadratische Räume unterteilt war. Das Gebäude liegt nahe am Hoftor. Deshalb könnten dort Karren, Wagen und andere größere landwirtschaftliche Geräte untergebracht gewesen sein. Zum Einfahren der Ernte und zum Transport der landwirtschaftlichen Erträge in die nächstgelegenen Marktorte nutzten die römischen Bauern Fuhrwerke, die von Ochsen oder Maultieren gezogen wurden. Der zweiachsige Lastwagen (plaustrum) war mit Leitern, Körben oder Netzen zur Befestigung des Ladeguts ausgestattet. Zum Transport empfindlicher Erntegüter wurden in der Regel mit Körben oder Holzbottichen bestückte einachsige Wagen (carrus) genutzt. Neben den Fahrzeugen fanden in der Remise sicherlich auch andere landwirtschaftliche Gerätschaften ihren Platz. Spaten, Hacken, Pflug und Egge dienten zur Bearbeitung des Bodens. Bei der Ernte kamen neben Sensen und Sicheln auch aufwendige Gerätschaften wie Mäh- und Erntemaschinen zum Einsatz. Zur Bearbeitung des geernteten Getreides nutzte man Dreschflegel und Worfeln. Eine Auswahl an landwirtschaftlichen Geräten - von der Vorbereitung des Bodens über Pflügen, Eggen und Säen bis zur Ernte - ist auf den Bodenplatten des mittleren Weges durch den Wirtschaftshof in Richtung Hauptgebäude dargestellt.

Obstwiese

Jeder römische Gutshof verfügte auch über einen Obst und Gemüsegarten. Vielfach umgaben ihn Streuobstwiesen. Dies galt insbesondere für so repräsentative Axialvillen wie die von Blankenheim. Der Nutzgarten der Blankenheimer Römervilla befand sich ehemals wohl hinter dem Hauptgebäude. Dort wurden nämlich bei archäologischen Untersuchungen im späten 19.¬und frühen 20.¬Jahrhundert auf einer mehr als einen Hektar großen Fläche keinerlei Spuren von Bebauung gefunden, obgleich auch sie innerhalb der Hofmauer liegt. Der Befund legt damit eine Gartennutzung nahe. Es ist anzunehmen, dass das Hofareal ursprünglich auch von Obstbäumen umgeben war. Der Obstanbau mit veredelten Obstbäumen wurde in unseren Breiten von den Römern eingeführt. Zuvor hatte man Wildobst gegessen. Für das Rheinland ist seit römischer Zeit der Anbau und Verzehr von Apfel, Birne, Quitte, Speierling, Kirsche, Pflaume, Pfirsich und Esskastanie nachgewiesen,
außerdem von Maul- bzw. Brombeere und Weintraube. Feigen und Datteln, bevorzugte Früchte luxusverwöhnter Römer, wurden importiert. Obst gehörte damals zu jeder ordentlichen Mahlzeit. Neben dem Verzehr frischer Früchte war es üblich, das Obst zur Konservierung in Honig, Wein oder Essig einzulegen. Eine andere Konservierungsmethode war das Dörren in der Sonne oder im Ofen.

Historischer Bahndamm

Nach fast drei Jahren Bauzeit wurde die knapp 25 Kilometer lange Bahnstrecke von Ahrdorf nach Blankenheim (Wald) am 1. Mai 1913 feierlich eröffnet. Auslöser für den Ausbau des Bahnnetzes in der Eifel war die ständige Angst vor einer französischen Revanche nach dem 1871 gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg. Der Eifel-Mosel-Raum gewann als potentielles Aufmarschgebiet für Truppen im Kriegsfall eine besondere strategische Bedeutung. Aufgrund des schwierigen Geländes gestaltete sich der Bau der relativ kurzen Nebenstrecke zwischen Ahrdorf und Blankenheim mit zahlreichen Brücken, Über- und Unterführungen, drei Tunneln, bis zu 30 Meter tiefen Felseinschnitten und 20 Meter hohen Bahndämmen aufwendig. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 7,75 Millionen Reichsmark. Der für die Baumaßnahme notwendige Bedarf an bis zu 1500 Arbeitern täglich konnte aus der Region allein nicht gedeckt werden, viele Gastarbeiter aus Italien und Kroatien wurden beschäftigt. Die beiden Weltkriege, in denen die Bahn durch Truppenund Materialtransporte voll ausgelastet war, überstand die Blankenheimer Nebenstrecke annähernd unversehrt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs waren es schließlich deutsche Truppen, welche die Bahnlinie zerstörten: Tunnel und Brücken wurden gesprengt und mit Bäumen als Panzersperren verbarrikadiert. Letztlich war dies kein großes Hindernis für die eintreffenden Amerikaner, die mit ihren Räumpanzern die Hindernisse in kürzester Zeit aus dem Weg schafften. Ab 1950 setzte man die Strecke nach und nach wieder in Stand. Der Personenverkehr wurde 1954 bis 1958 auf einem Teilabschnitt wieder aufgenommen. Zuletzt verkehrten nur noch drei Güterzüge pro Woche, bis 1967 wurde die Bahnlinie immer weiter abgebaut. Der Restabschnitt zwischen Blankenheim (Eifel) und Blankenheim (Wald) existierte noch bis 1977 als Industriebahn.

Badeanalage

Der Badetrakt des Blankenheimer Gutshofes wies alle notwendigen Räume für einen klassischen römischen Badebetrieb auf. Durch einen gut zwei Meter breiten Eingang gelangte man in einen quadratischen Vorraum, der wohl auch zum Umkleiden genutzt wurde. Hier schloss sich im Norden das halbkreisförmige Becken des Kaltbades (frigidarium) an, das mit einer Tiefe von 1,5 Metern damals ein vollständiges Untertauchen erlaubte. Durch eine schmale Tür kam man vom Vorraum in das sich westlich anschließende Warmbad (tepidarium) und dann in das mit zwei Wannen ausgestattete Heißbad (caldarium). Die Fußboden- und Wandheizung (hypocaustum) wurde über einen im Norden angebauten Heizraum (praefurnium) betrieben. Das Badewesen spielte im römischen Alltagsleben eine wichtige Rolle. Thermen befanden sich in Städten, Dörfern, Militärlagern und Raststationen entlang der Fernstraßen. Neben einem ausgeprägten Bedürfnis nach körperlicher Hygiene waren hier auch gesellschaftliche Aspekte von Bedeutung: In öffentlichen Bädern traf man sich zum Gespräch mit Freunden und Bekannten, schloss Geschäfte ab oder debattierte über Politik. Auch auf den größeren Gutshöfen wollte man auf den Luxus der Badekultur nicht verzichten. In zahlreichen villae rusticae gab es mehr oder weniger große und bisweilen reich ausgestattete Badeanlagen, die sich in separaten Gebäuden befinden konnten oder - wie hier in Blankenheim - Teil des Hauptgebäudes waren. So konnte der Besitzer auch bei schlechtem Wetter bequem ins Bad gelangen, ohne das Haus zu verlassen.

Beheizter Wohnraum

Der rechteckige, etwa 14 Quadratmeter große Raum war auf der Westseite des Hauptgebäudes angebaut und mit einer Fußbodenheizung (hypocaustum) versehen. Damit diente er vermutlich - auch wenn er unmittelbar an den Küchen- und Wirtschaftstrakt grenzte - als Wohnraum. Der Boden war mit wiederverwendeten Dachziegeln ausgelegt, bei denen man die Randleisten abgeschlagen hatte. Der eigentliche Fußboden des Wohnraums »schwebte« allerdings etwa 60-Zentimeter höher und ruhte auf Säulchen aus runden Ziegeln (suspensura): Auf großen quadratischen Ziegelplatten, die auf den Säulchen auflagen, war der Estrich aufgetragen. So konnte der Boden durch die in einem südlich angrenzenden Heizraum (praefurnium) erzeugte Heißluft, die über einen Kanal in den Unterbodenbereich gelangte, beheizt werden. Reste dieses von Südosten kommenden Heizkanals sind im Boden noch erkennbar. Häufig war die Fußbodenheizung auch - wie im Badetrakt der Blankenheimer Villa nachgewiesen - mit einer Wandheizung verbunden. Die warme Luft wurde in diesem Fall durch Hohlziegel (tubuli) geleitet, die auf die Wandflächen aufgesetzt waren. Der Reichtum des Besitzers und sein Wunsch nach gehobener Lebensart und Wohnkultur schlugen sich nicht nur in der Ausstattung seines Wohnhauses mit Badetrakt und beheizten Wohnräumen nieder. Die Wände waren auch mit farbigen Wandputzen geschmückt, wobei sowohl die Dekoration von Raumarchitektur in Form von Konsolen oder Gesimsen und die Nachahmung von marmornen Wandvertäfelungen als auch die Bemalung mit figürlichen Szenen nachgewiesen werden konnten. Zur Verdeutlichung der römischen Architektur und Funktionsweise der Fußbodenheizung wurde ein kleiner Teil des Schwebebodens in der nordwestlichen Raumecke rekonstruiert.

Burg Blankenheim

Hoch über dem historischen Ortskern Blankenheims gelegen, beherrscht die beeindruckende Burg das Bild des Burgortes. Gerhard III. errichtete die Burg vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts. Graf Gerhard VIII. ließ die Burg im 15.¬Jahrhundert abreißen und als Schloss neu aufbauen. Als sie von der Blankenheimer Herrschaft 1468 durch Vererbung an die Grafen von Manderscheid fiel, ließ Graf Dietrich III. von Manderscheid- Blankenheim eine Fernleitung zur Burg bauen, um die bis dahin durch eine Zisterne gewährleistete Wasserversorgung zu verbessern. Die etwa 1,5 Kilometer lange Leitung, die teils als Gefälleleitung, teils als Druckleitung gebaut war und streckenweise durch einen Tunnel verlief, führte von der Quelle durch das Tal »In der Rhenn« bis in den Burghof. Dabei hatte sie ein 12¬Meter tiefes Tal sowie mit Hilfe eines Aquädukttunnels einen 15 Meter hohen Bergsporn zu überwinden. Die Burg wurde mehrfach umgestaltet: Aus der mittelalterlichen Ritterburg entstand ein barockes Schloss. Als Festung hatte der Bau an Bedeutung verloren. Auch durch repräsentative Anlagen wollten die Manderscheider ihre Gäste beeindrucken. Um 1730 errichteten sie im Vorgelände des Burggrabens einen barocken Garten mit einer Orangerie. In Blankenheim sind die wichtigsten Elemente der Wasserversorgung der spätmittelalterlichen Burg noch erhalten oder erkennbar: die Quellfassung »In der Rhenn«, Teile der Druckleitung durch das Tal, der Zulaufgraben vor dem Tunnel, der Tiergartentunnel und das Wasserhäuschen auf der Tiergarten-Südseite. Der Tunnel ist das einzig bekannte Beispiel seiner Art aus dem späten Mittelalter.

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